Liebe ist

Mein Seelenpferd hat große Probleme mit den Hufen.

Und nein, es ist keine vorübergehende Sache, es ist angeboren, kein Haltungsfehler. Wir wissen es seit langem. Immer wieder wird es mal etwas schlimmer, dann einige Monate ganz gut, bis es wieder heftiger auftritt. Derzeit braucht sie wieder Hufschuhe und „Einlagen“. Gott sei Dank hat sie keine Schmerzen dabei.

Und jetzt die endgültige Entscheidung, nein, wir werden sie nicht mehr „richtig“ reiten, keine enge Wendungen, keine Dressur (Springen war ohnehin nie ein Thema).

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Inneres Kind

Inneres Kind

Ich sitze. Einfach so. Schaue in die Luft, es gibt nichts zu tun.

Wirklich nicht? Ich merke, wie so ganz leichte Panik in mir hochkriecht. Was, wenn ich was vergessen habe? Keine Skripten zum Schreiben? Alle Hausaufgaben kontrolliert? Küche geputzt? Wäsche aufgehängt? Ich habe mir selbst mehr Ruhe verordnet. Eigentlich sollte ich sagen, das Leben hat mir das verordnet, denn ich merke seit Monaten – ja, ich werde älter. Ich schaffe mein eigenes vorgegebenes Tempo manchmal nicht mehr. Verletze mich öfter, schlafe schlechter, wache morgens auf und denke mir – hoffentlich keine Termine heute. Und eigentlich tut mir diese Ruhe sehr gut. Eigentlich. Wenn da nicht das Innere Kind wäre, das auf Perfektionismus und Aktivität gedrillt ist.

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Was – du reitest nicht?

Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Hund. Vielleicht sogar einen etwas größeren. Und nun stellen Sie sich weiter vor, Sie würden von Freunden, Familie oder auch nur Passanten beim Gassi-Gehen ständig gefragt:

„Willst du ihn denn nicht zum Schutzhund ausbilden?“ – „Was, du gehst mit ihm gar nicht auf Hundeausstellungen?“ – „Also ich finde, du solltest ihn unbedingt als Therapiehund verwenden.“ – „Hast du da gar keinen Ehrgeiz?“ – „Wie, du hältst dir einen Hund einfach so?“ –

Absurd, oder? Und doch passiert einem das als Pferdebesitzer ständig, wenn man nicht reitet und auch gar nicht so viel Ehrgeiz und Lust hat, oben zu sitzen.

Ich will das jetzt auch gar nicht aus Sicht des Pferdes kommentieren und dass der Rücken eines Pferdes gar nicht so unbedingt dafür gemacht ist, dass da jemand oben sitzt. Wir Menschen sind auch nicht dafür gemacht, in einem Großraumbüro zu sitzen oder stundenlang im Auto oder vor dem PC. Ein Hund nicht für eine Stadtwohnung. Vieles ist heute nicht mehr 100% artgerecht und heutige Pferde sind doch ein wenig anders gezüchtet als ihre Vorfahren irgendwo in der Steppe. Auch meine Stute Lola wird geritten. Nichts in Richtung Turnier, auf keinen Fall muss sie über Hindernisse springen mit irgendwem auf ihrem Rücken, aber Gymnastik, Muskelaufbau, ich denke, das tut ihr gut und sie arbeitet sehr gern.

Ich rede hier davon, dass ich als Besitzerin nicht so viel Lust habe, zu reiten, und sie trotzdem zu 100% genießen kann. Vielleicht sollte ich auch sagen – nicht mehr, denn natürlich war das in meiner Jugend anders. Ich war sozusagen eine ganz Wilde;-))

Es geht darum, dass man sehr wohl ein Pferd oder mehrere besitzen kann, monatlich viel Geld investieren und in unserem Fall mit eigenem Stall auch viel Arbeit, ohne dass man aktiv mehrmals die Woche reitet.

Ich liebe die stille Zeit mit ihnen auf der Koppel. Ich gieße meine Rosenhecke, 4 Pferde schnauben sanft hinter mir und wir erzählen uns unseren Tag. Putzen, schmusen, natürlich die mentale pferdegestützte Arbeit mit Klienten, Reitpädagogik mit den Kleinsten, sich aneinander erfreuen – heute gibt mir das viel mehr.

Und – es gibt eine große Anzahl an Menschen, denen es genauso geht.

Immer wieder höre ich – „Ich liebe Pferde, mag aber nicht reiten. Nicht in meinem Alter, nicht mit meinem Gewicht, nicht weil mir dies oder das weh tut.“ Und dann kommt oft ein großer Seufzer, weil man dann ja praktisch keine Chance hat, Zeit mit einem Pferd zu verbringen. Außer man schaut in einem Reitstall Reitern zu.

Und deshalb, weil ich das weiß und selbst dazu gehöre – bei uns kann man das. Einfach Zeit mit Pferd verbringen.

Kannst du es mir bitte verbieten?

Kannst du es mir bitte verbieten?

Als meine ältere Tochter im frühen Teenageralter war, hat sie mich manchmal gebeten: „Mama, kannst du mir bitte verbieten, auf diese Party zu gehen? Ich hab so überhaupt keine Lust, aber das kann
ich den anderen so nicht sagen. Wenn du es mir verbietest, dann hab ich eine gute Ausrede.“ Klingt erstmal komisch und zum Schmunzeln, aber wann haben denn wir das letzte Mal so überhaupt keine
Lust gehabt, irgendwo hin zu gehen, dachten uns Tage vorher, muss das sein, und dann – wie vom Himmel gefallen – eine Migräne, Darmgrippe, Kopfschmerzen oder die Kinder erledigen es und werden
schnell mal krank.

Was das mit der gerade herrschenden Situation weltweit zu tun hat – Corona 2020, Ausgehverbote, keine Treffen auf öffentlichem Raum mit mehr als 5 Personen, Geschäfte zu, Restaurants zu, alle
großen und kleinen, wichtigen und unwichtigen Veranstaltungen abgesagt?

Nun, ich höre von ganz vielen Menschen – eigentlich wunderbar, dass man jetzt einfach mal Ruhe geben MUSS. Entschleunigung von oben verordnet, denn wir selbst haben es uns so oft vorgenommen,
dann aber doch weiter gemacht im Hamsterrad.

„Kannst du es mir bitte verbieten, dass ich überall dabei sein muss? Kannst du mir bitte verbieten, schneller, höher, weiter?“

Ich selbst habe heute eine Stunde länger im Bett verbracht. Könnte ich auch an allen anderen Tagen, außer ich hab Frühdienst im Stall, tu ich aber nicht. Und kann eigentlich gar nicht sagen
warum. Während ich hier schreibe, freue ich mich auf einen ruhigen Nachmittagskaffee, das Fenster ist gekippt, keine Autogeräusche, dafür aber – ich höre die ersten Frühlingsboten singen.

Eins wird man sicher sagen können, wenn alles vorbei ist – die Natur hat bestimmt sehr profitiert.

Die Stallarbeit haben wir uns aufgeteilt – wir sind ja privat und klein – natürlich fehlen mir die vielen Kinder zu ihren Reitpädagogikstunden, Coachingklienten, Kurse, das Gewurl, wenn jeder was
mit seinem Pferd tut, man zusammen sitzt bei einem Kaffee und fachsimpelt. Aber ehrlich – diese heilige Ruhe, wenn ich dran bin, nur Pferde und ich. Und auch keine Autos, die unbedingt in Höhe
der Koppel einmal richtig den Motor aufheulen lassen müssen.

Und unsere Pferde sind wie immer tiefenentspannt, verstehen die Aufregung nicht. Nie würden sie sich freiwillig den Tag voll packen, sie sind neugierig, müssen aber auch nicht alles ausprobieren
und überall dabei sein.

Gestern habe ich ein Posting gelesen, dass dieses erzwungene Zuhause bleiben sicher nicht gut sei, weil da viele Depressionen bekommen würden. Also, wer die schon nach 2 Wochen Ruhe daheim (warum
nicht spazieren gehen allein?) bekommt, der hatte sie sicher vorher schon. Wir reden hier nicht von jahrelanger Einzelhaft bei Wasser und Brot. Wir alle verwenden viel Zeit und Energie auf ein
schönes Heim, haben tolle Wohnungen  oder gar Haus mit Garten. Und sind doch ständig auf der Flucht. Plötzlich muss man sich mit seinen Kindern oder dem Partner beschäftigen, kein Ausweichen
in einen Shopping-Tempel. Und seien wir ehrlich – jedes Minidorf hatte doch schon „Festspiele“, ständige Veranstaltungen, wenn man wollte, konnte man 365 Tage im Jahre aus Veranstaltungstournee
sein. Wer soll das aushalten?

Die Reitsportverbände empfehlen, in öffentlichen Ställen möglichst nur zur Grundversorgung zu kommen, nicht zu reiten, auf andere Rücksicht zu nehmen. Und ich lese – „wenn mein Pferd nicht
täglich geritten wird, dann geht’s ihm nicht gut.“ Mal das Pferd gefragt? Auch hier – wir reden von 2 Wochen nicht von 2 Jahren.

Witzig auch – es ist wie bei einer Diät. Nie hat man Lust auf Nutella, nur wenn es verboten ist. Auch jetzt – Menschen, die die meiste Zeit vor ihrem Computer oder Fernseher sitzen, sind die
ersten, die sich darüber beschweren, dass sie nicht raus dürfen.

Und ja, ich weiß auch, viele werden sehr unter dieser Krise leiden. Selbstverständlich spreche ich hier auch nicht von denen, die wirklich krank wurden, nicht von Toten und deren Familien, denen
gehört mein Mitgefühl. Ich rede von denen, die es einfach nur trifft, dass ihr Leben etwas Sand im Getriebe hatte und da werden viele  gestärkt herauskommen, mit neuen Ideen, vielleicht
neuer Empathie, Augen auf, wo kann ich helfen? Krisen sind ja ein wenig so wie ein Ficus nach der Winterpause – man schüttelt kräftig, ganz viele welke Blätter fallen herunter, aber die
restlichen treiben neu aus und der Baum wird schöner als vorher.

In diesem Sinne – genieß einfach mal die Natur und dein Pferd ganz ohne Stress. Vielleicht hörst du jetzt in der Ruhe ganz viel.

Führungskraft?

Führungskraft?

Eine der Basisübungen jedes pferdegestützten Coachings ist es, führ das Pferd einfach mal über den Platz, es geht nicht um richtig oder falsch.  Viele Menschen wollen gern führen, noch mehr
wollen gut geführt werden, und schließlich gibt es in einem Herdenverband ja auch die berühmte Leitstute, was auf den Menschen übertragen nicht bedeuten soll, dass Leitstute nicht auch ein Mann
sein kann.

Bei einer Pferdeherde wundern sich Laien manchmal, dass die Leitstute nicht die ist, die am größten oder stärksten ist. Manchmal ist ein Shetlandpony Anführer einer Truppe großer starker
Kaltblüter. Es ist auch nicht das schönste Pferd, nicht das, was am schnellsten rennen kann oder am längsten dabei ist.

In wenigen Worten – wenn ich eine Herde anführen will, geht es nur darum, alles zu tun, damit die Gruppe überlebt. Das Projekt, sozusagen, die gemeinsame Vision. Die Leitstute “weiß“ also – wo
gibt es gutes Wasser, gute Weiden,  hat die Erfahrung gemacht, dass dieser Weg besser ist als der andere, kennt Abgründe und Spalten und Gefahren, egal von welcher Seite. Alles andere
interessiert ein Pferd nicht, es will in der gemeinsamen Vision heil ankommen. Und es ist keineswegs so, dass sich die am Ende der Hierarchie oder in der Mitte jetzt weniger gut fühlen,
Hauptsache ist,  sie bekommen auch was ab von Wiese und Wasser und dürfen sich und ihre Nachkommen beschützt fühlen.

Und wer diesen Schutz gewährt, der ist eben Führungskraft. Pferde suchen nicht körperliche Stärke, nicht Schönheit oder Reichtum, Pferde wollen Souveränität spüren.

In der Herde leuchtet uns das jetzt ein, aber wenn wir nun als Mensch ein Pferd führen, dann sind wir nicht Herde, trotzdem möchte das Pferd spüren – Ja, diesem Menschen kann ich mich
anvertrauen, der sieht den Säbelzahntiger und bringt mich rechtzeitig zu Futter oder Wasser. Auf diesen Menschen kann ich mich verlassen, der „kennt die Richtung“. Je mehr Gedanken und
Eitelkeiten wir dabei vor uns her tragen, je größer die Sprechblase über unserem Kopf, umso weniger klappt das mit dem Führen. Nicht umsonst gelingt es oft Kindern viel leichter als uns
Erwachsenen, weil sie sich selbst und dass sie es können überhaupt nicht in Frage stellen. Natürlich selbstbewusst, souverän eben. Und das akzeptiert ein Pferd.

Leitstuten, echte, stehen übrigens meistens ein wenig abseits, sind nicht mitten drin im Getümmel, wollen nicht von allen geliebt werden.