Einfach sein

Heute ist Muttertag. Und daher sicher kein Zufall, warum mir diese Gedanken heute kommen. Denn – Mütter sind Spezialisten im „ich müsste eigentlich...“

 

Zugegeben, man kann nicht nur wie eine Pferdeherde in den Tag hinein leben, schon allein deshalb, weil wir weder eine Weide zur  Verfügung haben, die uns das Essen liefert, noch einen Menschen, der zur Not mit einem Arm Heu einspringt. Und natürlich wollen und müssen wir im Job eine Leistung erbringen und die Wohnung daheim soll auch nicht aussehen wie aus einer RTL-Soap über Messies.

 

Ich selbst gehöre auch zu der Spezies, die, kaum sitze ich mal auf meinem Hosenboden, nachdenke, ob nicht der Geschirrspüler eingeschaltet werden muss. Oder die Waschmaschine. Oder ob’s nicht noch Bügelwäsche gibt.

Draußen in der Natur sitzen? Also entweder man macht Sport oder liest doch wenigstens ein Buch. Und wenn gar nichts anderes geht, dann sitzt oder liegt man wenigstens, um braun zu werden. So ganz ohne Ziel und Absicht, das fühlt sich sehr oft einfach komisch an.

 

Also auch wenn meine Umgebung davon noch nicht so viel bemerkt, ich bin deutlich ruhiger geworden (und höre gerade meinen Mann und meine Kinder schallend lachen). Auch wenn ich weiterhin ständig Pläne im Kopf hab, mit Pferd kann ich das inzwischen -  einfach nur sein. Deshalb hab ich auch zum Beispiel keinerlei Reiterambitionen mehr, weder Abzeichen noch besondere Leistungen, das alles war einmal. Heute genügt es mir ganz oft, mit Pferd auf der Koppel zu sein, beim Grasen zuschauen oder alternativ bei Schlechtwetter in der Box und nur die Wärme spüren und die Ruhe.

Und mir begegnen zunehmend Menschen, vor allem eben auch Frauen in meinem Alter, die geradezu erleichtert reagieren, wenn ich das ausspreche. Ja ich hab ein Pferd, bald zwei. Nein, ich reite kaum und es geht mir gut damit. Gerade in meinem Alter gibt es nämlich sehr oft Frauen, denen das eine oder andere weh tut (bei mir ist es zum Beispiel ein vor Jahren gebrochenes Steißbein), die vielleicht so wie ich etliche Kilos zu viel auf den Rippen haben und das dem Pferd nicht mehr zumuten wollen, die aber auch einfach etwas tun wollen, ohne dabei eine Leistung erbringen zu müssen.

 

Und hier trifft sich das pferdegestützte Coaching (das auch einfach mal eine halbe Stunde mit Pferd in der Wiese stehen sein darf) mit der Reitpädagogik für die Kleinsten. Die meisten Kleinkinder haben nämlich nicht den Ehrgeiz, Reiterpass oder Nadel, Turniere oder bestimmte Gangarten gut zu können, außer es wird ihnen von Erwachsenen eingeredet. Die meisten wollen Spaß haben, spielen, einfach sein. Und natürlich wollen in einer Gruppe alle mal aufs Pferd. Aber – genauso viel Spaß haben die meisten abseits mit Ball, Reifen, Tüchern oder einfach nur dem Sand der Reitbahn. Auch wenn die Eltern das oft nicht glauben und die Minuten abstoppen, die ihr Kind tatsächlich am Pferd sitzt.

 

Wahrscheinlich verstehen sich kleine Kinder und ältere Menschen (Großeltern) deshalb auch so gut – beide wollen nicht mehr müssen.

 

 

In diesem Sinne noch einen schönen Sonntagabend.

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